Die Preise für diese WM in den USA, Mexiko und Kanada waren für normal verrückte Fußballfans kaum zu bezahlen. FIFA-Präsident Infantino gibt den Gott!
Es gab ja dieses Lied: „Wer soll das bezahlen? Wer hat das bestellt? Wer hat so viel Pinke-pinke? Wer hat so viel Geld?“ Dieser Gassenhauer spielte in einer Kneipe, wo die sauflustigen Freunde zum Schunkeln neigten. Erinnert also durchaus an die Fußball-Fans, die sich derzeit bei der WM 2026 in den Armen liegen (auch wenn deren Songs womöglich ganz andere und vielleicht sogar bessere sind). Die obige Liedzeile von Jupp Schmitz stammt aus dem Jahr 1949 und konnte noch nicht ahnen, dass Deutschland 1954 in der Schweiz erstmals Fußball-Weltmeister wurde. Geschweige denn, was mit dem Fußball in Zeiten der TV-Live-Übertragungen so alles verdient werden kann.
Dennoch ist das Lied sehr aktuell. Denn die Preise für diese aufgeblasene WM sind für ganz normale Fußballfans kaum bezahlbar. Selbst fürs Pinkeln in den FIFA-Arenen der USA wird Gerüchten zufolge „Pinke-pinke“ fällig. Ein Hotdog mit Budweiser Plempl kann da schon mal 20 Dollar reißen, ein Parkplatz beim Stadion L.A. 300 Dollar. Für 29 Kilometer zum Stadion blechen Fußballfans statt 12,90 Dollar nun 150 Dollar. Und dies alles ist ja noch zusätzlich zu den Eintrittspreisen für die Spiele und den Reisekosten, um überhaupt über den großen Teich zu den Spielen zu kommen. Kurioserweise sind aber diese teuren „Rahmenbedingungen“ sogar ein gutes Argument für die FIFA und ihren Chef, den FIFA-Präsident Gianni Infantino, warum die Ticketpreise so teuer veranschlagt wurden. Infantino verteidigte immer wieder die hohen Ticketpreise bei der WM damit, dass diese im amerikanischen Markt üblich seien. Wären sie günstiger, würden die Eintrittskarten für ein Vielfaches auf dem in den USA legalen Zweitmarkt verkauft. Was ja sogar stimmen könnte, aber den normalen Fußball-Fan (wenn er nicht sein Eigenheim verkaufen will) trotzdem von den Ereignissen live vor Ort ausschließt.
Doch Infantino beließ es nicht bei dieser marktfundierten Begründung, sondern lieferte dann eine bemerkenswerte weitere Argumentation ab. Und dies ist eine, die uns alle direkt betrifft. Er habe gar nicht anders gekonnt, als die aktuellen Preise aufzurufen – letztlich seien sie sogar quasi ein mildtätiger Akt! Nur dadurch, dass nun sechs Millionen Fans für ihren „Once-in-a-lifetime-Moment“ sehr teure Preise bezahlen, könnten sechs Milliarden „kostenlos zuschauen“! Indem die Fifa ihre WM nämlich nicht im Pay-TV verstecke wie etwa die Uefa ihre Champions League.
Was heißt das für den Fußball? Ganz einfach: Dieser Sport, der übrigens nicht von Gianni Infantino erfunden wurde, sondern dort nur verwaltet wird, ist mehr und mehr zu einem virtuellen Ereignis verkommen. Nicht das Live-Erlebnis zählt, nicht die Stadionluft, nicht die Mühen der Fans (auch in der Bundesliga) weite Strecken hinter sich zu bringen, sondern nur noch die Vermarktung und das erzwungene Abhängen normaler Fans vor der Glotze. Und dafür findet sich bestimmt noch ein Sponsor, der das passende Fast-Food-Gericht ausliefert. Wer hat das bestellt?
Nach der aufgeblasenen Vorrunde war allerdings vor dem TV (wo sonst?) immer wieder zu sehen, dass die Stadien meist proppevoll waren. Und man kann auch nicht sagen, dass die dort anwesenden Fans – man denke nur an jene aus Ecuador beim 2:1-Sieg im letzten Vorrundenspiel gegen Deutschland, die dann die große Party mit ihrem Trainer machten – irgendwie anders gewirkt hätten als eben alle normalen Fußball-Fans. Haben weltweit denn doch so viele Leute so viel Geld in der Tasche? Oder kommt der Publikumsschock noch in der Endrunde, wenn die Tickets Spiel für Spiel immer teurer werden? Wahrscheinlicher ist, dass auch Menschen, die ein Vermögen für ein Ticket in der Endspielphase ausgeben, als Fans völlig durchgeknallt jubeln können.
Die Organisation FIFA hat Gianni Infantino ganz auf sich zugeschnitten. Affäre reiht sich an Affäre. Der Chef der Spielergewerkschaft Fifpro, Sergio Marchi, beschrieb Infantino im Vorjahr als den „Mann, der sich für Gott hält“.
Nun ja, vielleicht kommen auch wieder Zeiten, in denen normale Fußballfans WM-Spiele live anschauen können. Denn davon lebt ja der Fußball. Deutschland-Fans haben jetzt eh abgeschaltet. Nach dem Aus der DFB-Elf dürften auch die Fast-Food-Bestellungen einbrechen.

