
Es hätte eine so schöne Erfolgsmeldung sein können: Als an den sonnenreichen Tagen des ersten Maiwochenendes mehr Strom produziert und ins deutsche Netz eingespeist als tatsächlich gebraucht wurde, war dies ein klares Zeichen dafür, dass die Energieversorgung aus rein erneuerbaren Quellen schon bald Wirklichkeit werden kann. Es fehlt ja nur noch an Speichern, die das Zuviel an Sonnen- und Windstrom für jene Tage reservieren, an denen die viel zitierte Dunkelflaute herrscht. Und es fehlt an Leitungen, die Energie aus den sonnigen und windigen Regionen dorthin transportieren, wo es gerade bedeckt und windstill ist. Bessere Infrastruktur also, um den Energiereichtum zu steuern.
Doch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sah stattdessen nur einen Rekord: den der negativen Strompreise, die bei sonnenintensiven Tagen immer wieder den Energiemarkt stören: Zu viel Strom bei sehr viel Sonne (wie auch bei sehr viel Wind), sodass Anbieter dafür zahlen müssen, damit ihnen jemand den Strom abnimmt. Durch das Überangebot fiel der Preis an jenem Maiwochenende auf den bislang niedrigsten Stand. Gratis-Strom oder gar verdienen mit der Strom-Abnahme? Wäre das nicht der ultimative Anreiz für den Kauf eines Elektroautos, wenn es umsonst aufgeladen werden könnte? Oder ein Impuls dafür, einen Speicher in den Keller zu stellen, um ihn sich als Reserve für dunkle Zeiten mit Gratisstrom zu füllen?
Eine solche Netzstabilisierung über den Anreiz günstigen Stroms kann Reiche offenbar nicht dulden – und kündigt einen „Schlussstrich“ an. Unter anderem will sie ein Ende der Einspeisevergütung für private Betreiber kleiner PV-Anlagen. Stattdessen sollen wieder mehr Gaskraftwerke für die Stromerzeugung gebaut werden, denn die seien besser steuerbar. Trotz Ukrainekrieg und Irankrieg, trotz Klimawandel und Rohstoffknappheit strebt die Bundesregierung also eine erneute Wende der Energiewende an.
Dabei haben Photovoltaikanlagen in Deutschland im vergangenen Jahr ca. 87 Terawattstunde (TWh) Strom erzeugt, wovon etwa 71 TWh in das öffentliche Netz eingespeist, aber auch 16,9 TWh selbst verbraucht wurden – Strom also, der gar kein Netz benötigt, sondern nur eine Leitung von der PV-Anlage zur Steckdose. Die gesamte Produktion hat sich gegenüber dem Vorjahr, so vermeldete das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE zu Jahresbeginn, „um ca. 15 TWh bzw. 21 Prozent erhöht, wodurch die Photovoltaik bei der öffentlichen Nettostromerzeugung auf Platz zwei vorrückte.“ Dieser Trend, so das ISE, ist in der gesamten EU zu beobachten: „2025 lag die Stromerzeugung aus PV in den EU-Ländern mit 275 TWh erstmals über der Summe aus Braun- und Steinkohle (243 TWh). In zehn Jahren hat sich die Erzeugung aus Photovoltaik verdreifacht, die Kohlestromerzeugung ging dagegen um 60 Prozent zurück.“ Die Zahlen zeigen: Solarenergie boomt. Und dies nicht nur dort, wo sie staatlich gefördert wird. Sondern fast überall, weil sie effizienter, günstiger und vor allem klimafreundlicher ist als fossile Energieerzeugung.
Warum der Boom der Photovoltaik sich trotz aller (politischer) Widerstände durchsetzen wird, veranschaulichen die EWS Schönau mit ihrer Veranstaltungsreihe „Here Comes The Sun“, in der die technischen, ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Aspekte der Solarenergie thematisiert werden. Eine Ausstellung im EWS-Store in der Freiburger Bismarckallee zeigt, wie ein Solarpark entsteht – von der Planung über den Bau bis zum Betrieb. Und sie zeigt, dass zwischen und neben den Solarmodulen neue Lebensräume geschaffen werden können – durch gezielte Maßnahmen zum Natur- und Artenschutz. Neben Info-Veranstaltungen stehen als Höhepunkte der Veranstaltungsreihe Besuche im wohl steilsten Solarpark Deutschland auf dem Programm, den die EWS in Fröhnd im Südschwarzwald betreibt.
Veranstaltungsreihe «Here Comes The Sun»: Ausstellung Solarparks, Info-Veranstaltungen und Solarpark-Führung, bis 19. Juni 2026 u.a. im EWS-Store Freiburg, Bismarckallee 10. Mehr dazu: https://ews.jetzt/solarausstellung
