Wenn die Sprunggelenke schwächeln …

Unsere Sprunggelenke lassen uns laufen, hüpfen und springen. Ohne sie liefe buchstäblich gar nichts. Doch oftmals verschleißen sie schon in jungen Jahren.

Wenn Sprunggelenke schwächeln
Wenn Sprunggelenke schwächeln (Bild: hamara, StockAdobe)

Unsere Sprunggelenke müssen einiges aushalten: Ob beim Gehen oder Springen – ohne diese Verbindung zwischen Wade und Fuß liefe buchstäblich gar nichts. Dabei ist Höchstleistung gefordert: „Unsere Sprunggelenke tragen das Fünffache unseres Körpergewichts“, betont Dr. Thomas Schneider, leitender Orthopäde und Fußchirurg der Gelenkklinik Gundelfingen. Kein Wunder, dass kein anderes Gelenk so häufig verletzt wird wie dieses: Bänderdehnungen oder Verstauchungen sind nur einige der typischen Blessuren nach Unfällen, Stürzen oder anderen traumatischen Ereignissen. Das Dilemma: Diese Beschwerden setzen die Betroffenen längst nicht nur kurzfristig außer Gefecht – häufig haben sie gravierende Spätfolgen. Denn bedingt durch diese „Vorschäden“ entwickelt sich vielfach langsam, aber sicher über einen Zeitraum von durchschnittlich 20 Jahren (!) eine sogenannte sekundäre Arthrose. „In über 90 Prozent aller Fälle ist ein Verschleiß des Sprunggelenks die Folge schon lange zurückliegender Verletzungen“, betont der Facharzt.   

Im Gegensatz zu anderen Verschleißerkrankungen der Gelenke sind meist jüngere Menschen betroffen. „Etwa ein Prozent aller Erwachsenen haben eine schmerzhafte Sprunggelenksarthrose“, erklärt Dr. Schneider.   

Späte Symptome erschweren frühe Diagnose

Meist spüren Betroffene die Abnutzungserscheinungen erst spät. „Durch den fortschreitenden Abrieb geht die stoßdämpfende Funktion des Gelenkknorpels im Sprunggelenk mehr und mehr verloren“, erläutert Dr. Schneider. Das Gelenk ist wie „eingerostet“, häufig entzündet und geschwollen. Typisch sind Beschwerden am Morgen nach dem Aufstehen, nach Sitzpausen oder Ruhephasen. Joggen, Tennis oder andere Bewegungen mit Stoßbelastungen des Gelenks werden schließlich ganz unmöglich. Zusätzlich mindern zunehmende Schmerzen beim Gehen die Lebensqualität.  

Im Endstadium ist das Sprunggelenk so angegriffen, dass nur noch eine Prothese oder eine Arthrodese hilft, also eine Gelenkversteifung. Doch „mit Hilfe der konservativen, also nichtoperativen Therapie, lässt sich diese Entwicklung vielfach aufhalten oder zumindest verzögern“, versichert der Orthopäde.

So hilft die Physiotherapie

Basis der konventionellen Standard-Behandlung ist die Physiotherapie. „Durch Muskeltraining und koordinative Übungen, vor allem im Rahmen von Krankengymnastik oder spezieller Sprunggelenkschule, kann die Führung des Sprunggelenks verbessert werden“, weiß Dr. Schneider aus jahrelanger Erfahrung. Hilfreich sein können auch orthopädische Schuhe. „Dank einer Erhöhung des Außen- oder Innenrandes sowie individuell angefertigter Einlagen lassen sich die Bewegungsabläufe verbessern und die Stellung des Gelenks optimieren“, so der Orthopäde weiter. 

Die Grundlage einer medikamentösen Behandlung bilden meist entzündungshemmende Schmerzmittel. Wohltuend wirken darüber hinaus spezielle Bandagen zur Ruhigstellung des Gelenks oder Injektionen von Hyaluronsäure. Durch dieses „Schmiermittel“ lassen sich Arthrose-Schmerzen im frühen Stadium häufig verbessern, wie Studien belegen. Die Wirkung ist aber längst nicht bei jedem Patienten sicher.

Knorpeltransplantation stoppt Verschleiß

  Sind die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgereizt, bleiben praktisch nur operative Eingriffe. An erster Stelle steht hier die Sprunggelenksarthroskopie. „Bei dieser minimalinvasiven Schlüssellochoperation werden kleinen Kamerasonden (Arthroskop) in das Gelenk eingeführt“, beschreibt Dr. Schneider Ablauf und Vorteil des Verfahrens. „Durch sie kann der Fuß- und Sprunggelenksspezialist die Situation im Gelenk direkt inspizieren und den Zustand von Bändern, Knochen und Knorpel in direkter Kamerasicht ermitteln.“ Dank kleiner, oberflächlicher Schnitte verläuft die Wundheilung relativ schnell und die Narbenbildung ist entsprechend gering.  

Ist die Gelenkfläche durch Knorpelschäden beeinträchtigt, empfehlen Orthopäden häufig auch eine Knorpeltransplantation. „Dank der Übertragung von im Labor gezüchteten Knorpelzellen können Schäden geheilt und der Gelenkverschleiß gestoppt werden“, berichtet der Facharzt. Da die lebenden Knorpelzellen ähnliche biomechanische Eigenschaften wie der natürliche Knorpel aufweisen, werden sie vom Organismus nicht als Fremdkörper abgestoßen – und können deshalb innerhalb weniger Monate wieder eine funktionierende Knorpelschicht aufbauen. 

Prothesen als letzte Option 

 Ist die Arthrose am Sprunggelenk weit fortgeschritten, sind last, but not least  Prothesen eine Option – vorausgesetzt, es ist nur das obere Sprunggelenk beschädigt und andere Fußgelenke sind intakt. „Zudem sollte eine ausreichende Knochenstabilität zur Verankerung gegeben sein“, betont Dr. Schneider. Ein entscheidender Vorteil gegenüber früheren Methoden wie die Gelenkversteifung: „Die  benachbarten Gelenke werden durch die Prothese nicht  belastet und der Patient rollt beim Laufen den Fuß weiterhin normal ab“, versichert der Facharzt. Das natürliche Gangbild bleibt erhalten.

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