„Dann müssen wir alle halt früher aufstehen“

Andrea und Dr. Kambiz Dibah haben als Zahnarzt-Ehepaar ihr soziales Konzept schon vor über 23 Jahren entwickelt. Dr. Dibah ist optimistisch, dass die Herausforderungen im Jahr 2026 eine große Chance bieten, sowohl im Kleinen wie auch bezüglich der Lage in der Welt

Bild: Achim Keller

Dr. Kambiz Dibah sagt einen Satz, den derzeit nicht viele Zeitgenossen wagen würden: „Ich freue mich aufrichtig auf dieses Jahr 2026.“ Und Dr. Dibah hat dabei durchaus im Blick, welche enormen Herausforderungen weltweit in diesem Jahr anstehen. „Es ist ein Umbruch da. Aber genau darin liegt auch die Chance. Es besteht immer die Chance, die Dinge im eigenen Bereich noch besser zu machen“, so Dr. Dibah. „Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wir jammern, weil es die USA nicht mehr gibt, die uns beschützt. Oder wir überlegen, wie wir diese neue Situation meistern können“, so Dr. Dibah. „Es ist genau die gleiche Situation wie bei uns in der Praxis in Miniatur.“
„Wir arbeiten jetzt schon eine gute Weile zu zweit. Die Frage, was Personalnot betrifft, haben wir jetzt gelöst. Ich bin glücklich, dass es uns nun gelungen ist, uns unabhängig zu machen“, freut sich Dr. Dibah. Vor über 23 Jahren haben er und seine Ehefrau Andrea Dibah, beide Zahnärzte, in ihrer gemeinsamen Praxis das soziale Konzept ins Leben gerufen, das ihm auch den Namen „Robin Tooth“ eingebracht hat. Das Zahnarzt-Ehepaar Andrea und Kambiz Dibah hatte schon bei der Eröffnung ihrer Praxis vor über 23 Jahren das Ziel, die Basisleistungen im Rahmen dessen anbieten zu können, was die Kassen bezahlen. Dieses Ziel verfolgen sie hartnäckig. Tagtäglich merkt der Zahnarzt, dass die Leute oft eine Zuzahlung von 50 Euro nicht mehr stemmen können. Auch deshalb kommen sie zu ihm, zu Robin Tooth. „Wir merken, dass die Leute inzwischen wirklich sehr verunsichert sind. Denn sie merken, dass immer mehr Leistungen von den Kassen einfach gestrichen werden, oft ohne die Patienten überhaupt transparent zu unterrichten. Alle spüren, es wird von oben nach unten gestrichen. Das ist nicht gut“, so Dr. Dibah.


„Ich suche immer nach Möglichkeiten, wie wir unser Konzept und unseren Arbeitsalltag weiter optimieren können. Denn ich möchte nicht, dass mein Konzept durch äußere Umstände ins Wanken kommt“, so Dr. Dibah. Und weiter: „Je schwieriger die Umstände werden, umso besser müssen wir organisiert sein. Denn für viele Menschen ist ein Implantat so weit weg wie ein Traum. Dafür haben wir unser Konzept entwickelt. Die Leute brauchen uns und wir wollen im Rahmen dessen, was wir als kleines Team leisten können, unseren Beitrag leisten.“
Das kleine Team sind vor allem Dr. Dibah und seine Frau Andrea Dibah selbst. „Da wir ja beide Zahnärzte sind, können wir völlig autark agieren und uns alles selbst einteilen. Das gibt mir ein gutes Gefühl“, so Dr. Dibah. In ihrem Bereich will das Ehepaar Dibah weiterhin für die Leute da sein. Aber das bedeutet auch viel Anstrengung. Die Solidarität ist das zentrale Thema bei Dr. Dibah. Und das Ehepaar Andrea und Kambiz Dibah macht auch klar: „Wenn ich ein Luxusambiente schaffen will, mit goldenen Türklinken und Marmorböden, dann kann mein Konzept nicht klappen. Am Ende des Tages zahlt jemand den Luxus – das sind die Patienten.“ Dies genau will er nicht. Er will jenen Patienten ein Angebot machen können, die gerade in der Krise noch knapper dran sind als es ohnehin schon der Fall war. Die hauseigene Kalkulation besagt, dass es in der Regel gelingt, die Kosten für ein Implantat bei ca. 1.499 Euro anzusetzen (Einzelzahnversorgung auf ein Implantat, okklusal verschraubt, aus NEM, CoCrMo-Legierung und vollständig keramisch verblendet). Hiervon wird dann jeweils noch der Zuschuss abgezogen, den die Kassen übernehmen, und der je nach Situation verschieden hoch ausfällt. Oft liegt dann der Eigenanteil für den Patienten deutlich unter 1.000 Euro. Dabei sind die Implantate von bester Qualität. Neben der Firma „Camlog“ hat Dr. Dibah auch die weltweit renommierte Firma „Straumann“ (mit Hauptsitz in Freiburg) sowie „Nobel Biocare“ als Partner gewonnen, deren Implantate bester Güte er verarbeitet. Der Ritterschlag für Robin Tooth! Schlanke Strukturen, geschickter Einkauf des hochwertigen Materials und eine straffe Organisation sind die Basis seines Konzeptes. „Wir können schon mit Stolz sagen, dass wir unseren Patienten sehr faire Preise anbieten können. Das geht nicht ohne Mehraufwand, es geht nicht von alleine. Aber es geht! Das ist wichtig für diejenigen, die sich sonst die nötige Versorgung nicht leisten könnten.“


Auch die Digitalisierung kann helfen: Es können dadurch Kosten minimiert werden, was wiederum den Patienten zugutekommt. „Man muss die Preise einfach transparent weitergeben. Die Digitalisierung ermöglicht die individuelle Herstellung zu einem bezahlbaren Preis“, hofft Dr. Dibah. Er sieht die Zukunft in 3D-Druckern, die festsitzende Prothesen herstellen können. „Wenn man sich beispielsweise heute die Arbeiten der Fräszentren anschaut, ist das unglaublich, was da an Qualität, an Präzision und an Individualisierung möglich ist“, erklärt Dr. Kambiz Dibah. „Das führt dann zu einer äußerst effektiven Zusammenarbeit im digitalen Workflow mit weiterhin der handwerklichen Kunst in den Zahnlabors.“


Dr. Dibah mahnt Fairness an. „Jahrzehntelang hat die deutsche Wirtschaft geboomt und dabei große Gewinne gemacht. Diese Gewinne hatten aber auch mit dem Niedriglohnsektor zu tun, in dem viele Leute arbeiten. Und dann hat man vergessen, von den Gewinnen auch an diejenigen etwas auszuzahlen, die diese Gewinne mit ihrer Arbeit ermöglicht haben.“ Dr. Kambiz Dibah erinnert an das deutsche Wirtschaftswunder, das er im damaligen VW-Käfer symbolisiert sieht. „Das war das Sinnbild der sozialen Marktwirtschaft. Die Idee war doch, dass möglichst alle Menschen im Land sich den Käfer leisten können. Es ging also darum, die Leute mitzunehmen und zu zeigen, dass harte Arbeit sich lohnen kann“, so Dr. Dibah. Dies sei heute aber anders. „Zu viel Bürokratie, zu viel Verwaltung und zu viel Bequemlichkeit. Davon müssen wir dringend weg. Denn da können wir noch so viel neue Schulden machen – das viele Geld wird von einer Maschine verbrannt, die sich gar nicht bewegt. Sie verbraucht Energie im Stand, ohne Vorwärtskommen“, so Dr. Dibah.
Schon zu oft hat er auf Nachfragen auf der Verwaltungsebene, ob es denn wirklich so kompliziert sein muss, die Antwort erhalten: „Des isch halt so. Des habe mer schu immer so gmacht.“ Aber genau da steckt die Bremse drin, sagt Dr. Dibah: „Es macht keinen Sinn, wenn wir 20.000 Bauvorschriften haben, nur damit dann kaum noch gebaut werden kann. Es sollte alles schneller und effektiver werden“, so Dr. Dibah.


Angesichts der Weltlage 2026 ist Dr. Dibah selbstbewusst und sieht darin auch den Weg, den Europa gehen sollte. „Wir, das alte Europa, zum dem ich mich nach 45 Jahren als Deutscher auch zählen darf, haben viel mehr drauf als uns der US-Präsident einreden will. Wir machen uns unnötig klein. Es gibt überhaupt keinen Grund zu kuschen. Wir sind 500 Millionen Menschen in einem Bund, mit weitgehend demokratischen Verhältnissen. Wir sind also ein riesiger Markt. Ich sehe das als Riesenchance. Wir müssen uns relativ schnell unabhängig machen. Überall dort, wo die USA uns noch voraus ist. Wir brauchen ein eigenes europäisches „Google“, ein eigenes Satellitennetz und manches mehr. Aber das geht alles, wenn man erst mal aufgewacht ist“, erklärt Dr. Dibah.
Apropos „aufwachen“: „Ich habe halt die Arbeitsroutine ein bisschen umgestellt, um die Situation in unserer Praxis zu meistern. Ich erledige die administrativen Dinge morgens um fünf Uhr, zwei Stunden bevor die ersten Patienten kommen. Da bin ich noch frisch und konzentriert“, erklärt Dr. Dibah die Bewältigung der Herausforderungen in Miniatur.


In der großen, weiten Welt heißt das: „Man muss irgendwann einfach verstehen, wenn das Gegenüber nicht nett ist. Dass es dem völlig egal ist, was mit uns geschieht. Wir brauchen diese Schocktherapie. Es macht uns Europäer wach. Dann müssen wir halt früher aufstehen, so wie ich in meiner Praxis“, erklärt Dr. Kambiz Dibah mit einem gut gelaunten Augenzwinkern.